Direkter fairer Handel bei Coffee Circle

Coffee Circle Logo„Unternehmensberater gründen Start-up in Berlin und nutzen Internet als Vertriebskanal…“ – der Nachrichtenwert einer solchen Meldung wäre gering und dies möglicherweise ein Thema für ein anderes Blog.

Und doch gehört es hier her. Warum?

Die drei ehemaligen Unternehmensberater, Martin Elwert, Robert Rudnick und Moritz Waldstein-Wartenberg gründen 2010 das Unternehmen „Coffee Circle“ in Berlin und vertreiben damit hochwertigen äthiopischen Kaffee über das Internet. Fair und direkt gehandelt, nach eigenen Angaben zu Einkaufspreisen über Weltmarktniveau und in direktem Austausch mit den Erzeugern vor Ort. Teile der Erlöse fließen zurück in, zuvor mit der lokalen Bevölkerung definierte, Projekte. Somit entspricht Coffe Circle den Gedanken von „people, planet, profit und purpose“.

Gruender mit Kooperative in Aethiopien

Die Gründer im Gespräch mit einer Kooperative in Äthiopien

Das Prinzip ist nicht neu. Bereits in den 1980er Jahren startete Prof. Günter Faltin mit seiner Teekampagne ein Unternehmen, das dem Gedanken des direkten fairen Handels (direct fair Trade) entsprach. Einfach, transparent, fair und nur die beste Qualität. Das ist bei Coffee Circle ähnlich. Allerdings geht man hier noch einen Schritt weiter.

Pro Kilo verkauften Kaffees fließt ein Euro zurück, in die zuvor mit den Erzeugern gemeinsam definierten Projekte. Das bedeutet, dass neben den ohnehin über dem Weltmarktpreis und über dem fair Trade Preis liegenden Einkaufspreisen, weitere Unterstützung geboten wird. Das Besondere dabei ist, dass bei Coffee Circle der Endkonsument direkt mit in die Entscheidungen einbezogen wird. Und zwar, wenn es darum geht, die Verwendung des zusätzlichen Euros zu definieren. Dies geschieht direkt im Webshop, bei der Bestellung des Kaffees.

Wie bei der Teekampagne auch, ist die Produktqualität sehr hoch. Es wird ausschließlich hochwertigster Kaffee aus Äthiopien, dem Ursprungsland des Kaffees, angeboten, von den Gründern persönlich ausgesucht. Der Kaffee stammt aus sogenannten Waldgärten und wird von Hand geerntet. An einer Bio-Zertifizierung für die Produzenten wird derzeit gearbeitet. Sie ist eines der Projekte, das mit dem zusätzlichen Euro der Konsumenten unterstützt wird.

„What else?“

Coffee Circle Kaffee „Was sonst?“ oder besser, „Was sonst noch?“ könnte man mit einem Augenzwinkern an dieser Stelle fragen. Wie sieht es mit dem vermeintlich wichtigsten Entscheidungskriterium bei Low-Involvement Kaufentscheidugen, dem Preis, aus? (Ob es sich bei Kaffee in der angesprochenen Zielgruppe überhaupt noch um Low-Involvement Käufe handelt, sei später diskutiert.)
Der Kaffee von Coffee Circle ist preiswert, im Sinne vom „seinen Preis wert“. Der Vergleich mit den Tassen-Preisen jenes angedeuteten Kaffeeanbieters macht es deutlich. Eine Kapsel (Tasse) des erwähnten Kaffees der Weltmarke kostet bis zu 35 Cent. Ein kg Kaffeepulver hingegen reicht für ca. 133 Tassen (Tasse = 7,5g Pulver). Ein Kilo der Sorte „limu“ kostet bei Coffee Circle 24€. Somit kostet die Tasse des Coffe Circle Kaffees 18 Cent, gerade mal die Hälfte. Der Preis für den reinen Kaffee spiegelt aber letztlich nicht die gesamten Kosten wieder. Es ist noch mehr, was diese Form des direkt und fair gehandelten Kaffees unter allen drei Bottom Lines (s. auch triple bottom line) günstiger macht. Für uns alle. Direktere Wege und Lieferketten, keine Zwischenhändler, reiner Onlinevertrieb, dadurch geringerer CO2 Ausstoss; keine Aluminiumkapseln und Umverpackungen, dadurch weniger Müll.

Back to basics

Online Shop Coffee Circle

Auwahlmöglichkeit der Spendenverwendung im Webshop

Zurück zum Eigentlichen, zum Wesentlichen. Apropos Basics, auch die hat man bei Coffee Circle richtig gemacht. Das Markenbild ist so einfach wie stimmig. Das Logo symbolisiert den aufsteigenden Kaffeeduft, vielleicht auch eine Kaffeebohne von oben betrachtet. Dazu der leicht geschwungene Schriftzug, fertig. Unternehmenswebseite und Webshop sind zeitgemäß und stimmig. Kaffeebraun und Weiß als Hauptfarben, Retrofarben als Akzente. Dazu jede Menge Video und Bildmaterial sowie die übliche Social Media Einbindung. Als Ergänzung noch schwarze Schnurrbärte als inoffizielles Markenzeichen und virales Element.

Viralität bzw. Word-of-Mouth ist, worauf Coffee Circle im Bereich der Kommunikation setzt. Flickr, Vimeo, Twitter, google+ und natürlich Facebook sind die Kommunikationskanäle. Ergänzt wird das Konzept mit einem Corporate Blog auf der Webseite und einem reichhaltigen Bereich Kaffeewissen. Bezahltes Marketing macht Coffe Circle nur in Form von Web-Ads. Kostenlos gab es wohl auch das Endorsement durch den in Berlin lebenden Musiker Max Herre.

Im Bereich der Produktpolitik fährt Coffee Circle zweigleisig. Im Unterschied zum bekannten Konzept der Teekampagne, nur ein einziges Produkt anzubieten, bietet Coffee Circle auch jede Menge Zubehör und Kaffeemaschinen an. Dies ermöglicht dem Unternehmen zusätzliche Umsätze zu generieren. Der durchschnittliche Warenkorb wird größer. Zudem ist Zubehör nicht verderblich und wird nicht zu Weltmarktpreisen gehandelt. Bei den Packungsgrößen setzt Coffee Circle auf die üblichen 500g Packungen, sowie neuerdings auch auf die 350g. Preislich liegen beide Produktlinien auf ähnlichem Niveau, unterscheiden sich aber im Packungsinhalt. 😉

Die dritte Welle des Kaffeekonsums

Der Preis als Entscheidungskriterium dürfte allerdings nicht alleinig ausschlaggebend sein. Wie oben angesprochen ist fraglich, ob es sich beim Kaffeekauf durch die angesprochene Zielgruppe noch um eine Low-Involvement Kaufentscheidung handelt, oder ob in diesem Zusammenhang bereits Mechanismen wie beim Weinkauf greifen. Ohnehin profitieren Anbieter wie Coffee Circle von der nun endlich auch in Deutschland ankommenden „third wave of coffee“. Und so ist es wahrscheinlich, dass der Konsument wenn er den Cofee Circle Webshop besucht, a) das Produkt bereits kennt, b) genau weiß, was er/sie will oder c) sich durch das gute Konzept und den dahinterstehenden Gedanken überzeugen lässt.

Fazit: Coffe Circle ist es gelungen, gutes Marketing und einen guten Zweck so zu verbinden, dass der Zweck Gegenstand des Geschäftsmodells ist. Coffee Circle ist transparent, ehrlich und interaktiv, indem es den Konsumenten bei den Entscheidungen der Verwendung der Gelder mit einbezieht. Coffee Circle ist ein gutes Beispiel wir direkter fairer Handel aussehen kann.

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