direkt, fair, online – Der neue faire Handel

direct fair trade Versandhandel e-commerceTransparenz, Fairness und Nachhaltigkeit sind die aktuellen Trendthemen in Konsumgüterindustrie und Handel. In der Lebensmittelbranche bereits seit einigen Jahren Agenda-bestimmend, nicht zuletzt getrieben durch die jüngsten Lebensmittelskandale, werden diese Themen nun für andere Branchen relevant. Auch Textil- und Kosmetikindustrie werden sich in Zukunft intensiver mit Transparenz, Fairness und Nachhaltigkeit auseinandersetzen müssen. Selbst die Unterhaltungselektronikbranche, bislang nicht als Musterschüler in puncto Nachhaltigkeit geltend, wird mittelfristig einen Fairness Trend erleben. Aktuelle Studien zur Verbraucherwahrnehmung zeigen einen deutlichen Konsumentenwunsch nach mehr „Fairness“.

Aus Verbrauchersicht sind diese Themen in zweifacher Hinsicht relevant. Zum einen besteht ein Bedürfnis nach fair und nachhaltig hergestellten Produkten — Siegel für fairen Handel, bzw. nachhaltigen Anbau und Herstellung erfreuen sich steigender Bekanntheit und Akzeptanz — zum anderen möchten Konsumenten auch beim Einkauf dem Händler vertrauen. Speziell im Versandhandel spielen Vertrauen und Transparenz eine wesentliche Rolle. Im Onlinehandel zeigte sich dies z. B. in den vergangenen Jahren im Trend zu Siegeln für Online Shops.

Doch welches sind die zugrundeliegenden Trends und welche Bedeutung kommt dem Versandhandel zu? Der Versandhandel in Deutschland verzeichnete in den letzten Jahren deutliche Umsatzzuwächse und auch für die nächsten Jahre, wird mit einem positiven Trend gerechnet. Die Konsumenten genießen die Ubiquität der Onlinekommunikation, ermöglicht durch die Verbreitung unterschiedlicher stationärer und mobiler Endgeräte. Die Vielfalt der Interessen und das Bedürfnis sich über diese auszutauschen, haben in den vergangenen Jahren im Internet fruchtbaren Boden gefunden. Blogs, Foren, Communities und soziale Netzwerke dienen zum Austausch und Konsumenten werden selbst zu Anbietern von Inhalten und Informationen. Die räumliche und zeitliche Unabhängigkeit des Internetzugangs vereinfacht den Zugang zu den Angeboten.

Diese neue Transparenz und die Geschwindigkeit mit der sich Informationen, Trends und auch sogenannte „Shitstorms“ im Netz verbreiten, stellen die Hersteller und Händler vor neue Herausforderungen. Einerseits können Unternehmens- oder Produktimages die über Jahre aufgebaut wurden binnen Minuten zerstört werden, andererseits bietet die erweiterte Möglichkeit der Kommunikation mit den Konsumenten die Chance, Fairness und Nachhaltigkeit glaubwürdig zu transportieren.

Coffee Circle Kaffee

direct fair trade Kaffee von Coffee Circle

Eine neue, junge Generation fair handelnder Unternehmen betritt derzeit die Bühne des Versandhandels. Diese Unternehmen kombinieren geschickt die kommunikativen Möglichkeiten der sozialen Netzwerke, Plattformen, Foren und Blogs mit den Vorteilen des Versandhandels. Der in letzter Zeit überstrapazierte Begriff „Nachhaltigkeit“ wird entlang der drei Leitlinien „People“, „Planet“ und „Profit“ umgesetzt und transparent dargestellt. Die Geschäftsmodelle dieser Unternehmen entsprechen im Kern diesen Prinzipien der Nachhaltigkeit. Sie bieten den Menschen in der Produktion bzw. Herstellung, sei es in Deutschland, Europa oder Übersee, eine nachhaltige Lebensgrundlage (People). Sie sind nachhaltig im ökologischen Sinn, indem Raubbau, einseitige Nutzung, Monokulturen, Umweltverschmutzung oder Abholzung von Wäldern vermieden werden (Planet). Gleichzeitig existiert die ökonomische Nachhaltigkeit gleichberechtigt neben den anderen beiden Säulen. Denn nur ein funktionierendes Geschäftsmodell bietet die Möglichkeit, langfristig am Markt zu existieren und so dauerhaft Arbeitsplätze zu schaffen (Profit).

Unabhängig von offiziellen oder inoffiziellen Siegeln bekannter Siegelorganisationen handeln diese neuen, jungen Unternehmen fair. Sie zahlen deutlich über den Weltmarktpreisen liegende Einkaufspreise an die Erzeuger. Meist liegen diese auch über den offiziellen Fairtrade Preisen. Die Arbeitsbedingungen werden von den Erzeugern selbst bestimmt und der Einsatz von umweltschädlichen Pestiziden ist tabu. Sie kommunizieren und handeln direkt mit den Erzeugern bzw. Produzenten und verzichten auf Zwischenhandelsstufen. Dass für diese Form des fairen
Handels keine Siegel nötig sind, beweisen diese Unternehmen durch ihre Transparenz und Offenheit. Sie nutzen die zuvor erwähnten sozialen Netzwerke, Blogs oder einfach die eigene Unternehmensseite, um das eigene Handeln transparent darzustellen. Darüber hinaus laden sie den Konsumenten zur Partizipation ein, beispielsweise, um beim online Einkauf direkt zu entscheiden, in welche sozialen Projekte Teile des Unternehmensgewinns investiert werden sollen.

Moema direct fair trade Kaffee

direct fair trade Kaffee von Moema

Für diese neue Form des nachhaltigen Handelns und Handels bildet sich derzeit der Begriff des „Direct Fair Trade“ heraus. Es ist ein direkter und fairer Handel, der ohne zwischengeschaltete Handelsstufen auskommt und einen möglichst hohen Anteil der Wertschöpfung im Ursprungsland belässt. Dies schafft in den Ursprungsländern Arbeitsplätze, generiert Know-How und zieht vor- und nachgelagerte sowie verwandte Industrien an. Die Vorteile des Versandhandels als bevorzugten Vertriebskanal für den direkten fairen Handel sind eindeutig. Zum einen ermöglicht der Onlinehandel auch kleinen Unternehmen ohne größere ökonomische Risiken einen Marktauftritt, zum anderen können „Special Interest“ bzw. Nischenthemen aus den vorgenannten Gründen online leichter umgesetzt werden, als in stationärer Form. Gleichzeitig kann über die Verbreitung der Informationen in Online-Medien und sozialen Netzwerken schnell eine kritische Masse erreicht werden.

Baola

Limonade aus direkt & fair gehandeltem Baobab

Auch in Bezug auf Nachhaltigkeit bietet der Versandhandel Chancen. Versender und Logistikdienstleister erkennen das Thema Nachhaltigkeit und bieten neue Services an. Darüber hinaus bietet der Versandhandel für Hersteller und Importeure die Möglichkeit, größere Mengen zu importieren und diese erst On-Demand im Zielland zu kommissionieren und anschließend direkt an den Endkonsumenten zu versenden. Dies spart Verpackungsmaterial und -kosten sowie Transportwege, da Zwischenstufen wie Großhandel und Einzelhandel entfallen. Wichtig wird für alle Beteiligten in Zukunft, dass die Themen Fairness und Nachhaltigkeit nicht als „Add-Ons“ zum herkömmlichen Geschäft gesehen werden, sondern als integraler Bestandteil. Gute Geschäftsmodelle werden sich
in Zukunft im Kern mit den drei Säulen „People, Planet, Profit“ beschäftigen. Kombiniert mit den Kommunikationsmöglichkeiten des Internets und der sozialen Netzwerke sowie den Vorteilen des Versandhandels kommen hier noch spannende Konzepte auf uns zu.

(Dieser Artikel erscheint auch im Kompendium des interaktiven Handels 2012/2013 des Bundesverbandes des deutschen Versandhandels)

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