FA!R2013 – Die Messe rund um den fairen Handel

„Fair Trade & Friends“ so der Titel der diesjährigen Fair Trade Messe FA!R2013 in Dortmund. Schon dieser macht deutlich, dass es sich nicht mehr nur um eine Messe für den Fairen Handel und die Lieferanten der Weltläden handelt, auch Aussteller aus verwandten Bereichen wie Upcycling, Share Economy, Green IT, ethisch einwandfrei hergestellte Textilien und faire start-ups sind vertreten.

Ein Hauch von Generationenwechsel durchweht die Hallen in Dortmund

Westfalenhallen GmbH/Foto: Anja CordFA!R2012Die Umsätze mit fairen Produkten steigen seit Jahren kontinuierlich. Ein Umsatzrekord jagt den nächsten. Aktuelle Studien die im Vorfeld der Messe veröffentlicht wurden belegen dies. Bei Fairtrade International sieht man sogar bald die 1 Mrd. Grenze geknackt. Diese Zuwächse kommen hauptsächlich aus den Bereichen Bananen, Kaffee, Blumen, etc., getrieben durch das verstärkte Interesse der großen Lebensmitteleinzelhändler am Thema Fair Trade. Rückschlüsse auf den qualitativen des Zustandes des fairen Handels lassen sich durch diese Wachstumsraten allerdings nicht ziehen, dazu genügt ein Rundgang auf der Messe.

Diese hat den Charakter einer Verkaufsmesse angenommen. An optisch nüchternen und einfach eingerichteten Ständen, präsentieren die Aussteller Ihre Angebote. Darunter sind noch einige der klassischen Weltladen Lieferanten mit ihren Alpacca Mützen und fair gehandelten Schnitzereien. Die wenigen Stände der Gastländer aus Asien, das dieses Jahr Themenschwerpunkt der Messe ist, sorgen für etwas Abwechslung, richtig viel los ist dort aber auch nicht. Dazwischen drei der vier großen Fair-Handelsunternehmen, auch diese mit Minimalaufwand, das vierte war gar nicht erst nach Dortmund gereist. Überhört man die Gespräche an den Ständen, so ist von Nachwuchsproblemen die Rede, von ungeklärten Nachfolgefragen bei den Weltläden und einem Weltladensterben.

Und dann sind da die jungen Unternehmen die ihre interessanten, innovativen Ansätze vorstellen. Biologische und aus fairen Zutaten hergestellte Getränke, bio-faire Baumwollshirts aus Indien, fair und direkt gehandelter Kaffee aus Ruanda, Umhängetaschen aus ausgedienten Offsetdruck-Gummifolien und bio-faire Fruchtpürees aus Brasilien, uvm.
So unterschiedlich die Angebote sind, eines haben diese Anbieter gemeinsam: verkauft wird nicht über die Mitleidsschiene, sondern über einen klar erkennbaren Konsumentennutzen, der vom Kunden gesehen und geschätzt wird. Dass diese Produkte darüberhinaus fair und größtenteils auch biologisch sind, versteht sich von selbst und ist nur noch ein verstärkendes Kriterium im Kaufentscheidungsprozess. Ein weitere Gemeinsamkeit dieser Beispiele ist das zeitgemäße, professionelle Erscheinungsbild und das schlanke, zielgerichtete Marketing. Social Media und Word-of-Mouth sind die kostengünstigen Tools, derer sich diese Unternehmen bedienen. Der Vertrieb erfolgt häufig nur über das Internet. Dies, so scheint es, ist die nachwachsende Generation im fairen Handel.

Die „dritte Welle“ des Fairen Handels

Immer mehr Fairtrade im Massenmarkt. Weltlädenschwund. Lieferanten ohne Nachwuchs. Wie sieht die Zukunft dieser Branche aus? An dieser Stelle liegt die folgende Prognose nahe: Es wird in den nächsten Jahren noch zu einer stärkeren Verbreitung offizieller, Fairtrade gesiegelter Produkte im LEH kommen. Die Umsätze mit diesen Produkten werden weiter steigen. Zudem wird die Anzahl der Fair Trade Eigenmarken und eigenen Siegel des LEH zunehmen. Die Zahl der Weltläden wird zurückgehen, genauso wie die Zahl der Konsumenten, die in Weltläden einkaufen, sowie die Menschen, die Weltläden betreiben. Gleichzeitig wird allerdings eine neue Generation direkt und fair handelnder junger Start-Ups den Markt betreten. Sie werden wie die oben beschriebenen Beispiele frei, unabhängig, pragmatisch und zielgerichtet agieren. Ihre Absatzmittler werden sie sich gezielt aussuchen, zum Teil vielleicht ganz auf solche verzichten.

Möchte man die Entwicklung des Fairen Handels in Wellenbewegungen beschreiben, so könnten wir jetzt von der „dritten Welle“ sprechen. Die „erste Welle“ wäre dann die Anfangsphase des Fairen Handels, von den christlich-humanistisch motivierten Anfängen in den 70ern bis in die frühen 00er Jahre. Die „zweite Welle“ wäre dann die zunehmende Popularität des Begriffes „Fair Trade“ im Mainstream, vor allem im LEH und die damit verbundene steigende Verbreitung von Fair Trade und Fairtrade Produkten und der beobachteten steigenden Umsätze. Die „dritte Welle“ wäre dann die oben beschriebene Wandlung, sowohl auf Konsumenten- als auch auf Herstellerseite.

Was also ist zu tun?

Das kommt darauf an, aus welcher Perspektive man das Geschehen betrachtet. Der LEH und große Hersteller können dem Trend positiv, entspannt entgegensehen. Sie werden (wenn noch nicht geschehen) auf den Zug aufspringen und abschöpfen, was möglich ist. Ihr Kerngeschäft wird nicht beeinflusst werden. Aus der Sicht der klassischen Weltladenlieferanten wäre es das Falscheste, anzunehmen, die Parameter blieben wie bisher. Diese Einstellung hat schon einige Branchen dahingerafft. Wie oben beschrieben: Die Konsumenten werden sich ändern, die Handelslandschaft wird sich ändern, die weltweiten Rahmenbedingungen werden sich ändern. Es lohnt sich für diese Gruppe auf jeden Fall einen Blick auf die nachwachsende Generation der „dritten Welle“ des fairen Handels zu werfen. Vielleicht lässt sich das ein oder andere lernen.

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