Marketing Research Fail of the Week

Berliner online Gutschein-Plattform identifiziert Trendgetränke des Sommers 2013: Sex on the Beach und Eiskaffee. Wasser mögen 11 von 100, Bio-Limonaden nur 6. Gut, es war heiß in Berlin vergangene Woche. Aber so heiß? Und können jetzt alle Bio-Limonaden hersteller dicht machen?

Wenn die Temperatur steigt, sinkt möglicherweise die Konzentration. Das kann passieren. Da könnte man sogar die gewagte These aufstellen, es handele sich um eine Korrelation. Vielleicht gar um einen Kausalzusammenhang. Mit entsprechender Empirie ließe sich dies vielleicht ableiten. Empirisch korrekt sind zwar auch die Schlussfolgerungen, die aus besagter online Umfrage gezogen wurden, fragwürdig ist allerdings die Qualität der Aussagen und ihr Potenzial, daraus allgemeine Trends ableiten zu können.

Bio-Limonaden sind out, es lebe der Eiskaffee!

Demnach ist im Bereich der nicht-alkoholischen Getränke das Lieblings-Sommergetränk der Befragten (m/w) (N=444) mit 20% der „Eiskaffee / Frappé“, gefolgt vom Eistee den rund 16% wählen. Wasser trinken immerhin noch rund 11% der Befragten in diesem Sommer am liebsten. Nicht qualifiziert wird, ob es sich hierbei um Leitungs- oder Mineralwasser handelt. Nur rund 6% würden zur Bio-Limonade greifen. Im Bereich der alkoholischen Getränke liegt bei den männlichen Befragten der „Sex on the beach“ vorne (25%), 19% Frauen mögen diesen auch gerne, weitere 19% haben „Hugo“ am liebsten, das Trendgetränk der vergangenen Saison. Getränke wie „Moscow Mule“ und „Lillet Vive“, an denen sich, zumindest in Berlin, gefühlt jeder zweite festhält (Anm.: nicht empirisch belegte Beobachtung), liegen mit 2% weit abgeschlagen. Spannend auch die Feststellung, dass es den Befragten (41%) vor allem auf die verwendeten Zutaten ankommt, wenn es darum geht eine Entscheidung zu treffen. Der Preis ist nur für 9% der Befragten wichtigstes Enscheidungskriterium, die Marke gar nur für 5%. Soweit die Datenlage.

Wer, wann, wie und wo?

Zwei dieser vier Fragen zum Design der Studie beantwortet das Unternehmen in seiner Pressemitteilung. Wer befragt wurde und wo. Eingeladen waren die ca. 65.000 Facebook Fans des Unternehmens, 444 davon nahmen teil. Ob es sich um offene oder geschlossene Fragen, oder anders geartete Erhebungsmethoden handelte, wie die Teilnehmer zur Teilnahme aufgerufen (und damit selektiert) wurden, bleibt unklar. Nahe liegt allerdings die Vermutung, dass die Objektivität, Reliabilität und Validität der Studie und der durch sie gewonnenen Erkenntnisse, begrenzt sind. Zum einen wurde sie unter den Facebook Fans durchgeführt. Dies könnte bedeuten, dass es sich bei der Grundgesamtheit der Studie um eine internetaffine Gruppe handelt, die darüber hinaus auch mit der Unternehmensseite verbunden sein musste, um in die Auswahl zu gelangen. Es könnte sich somit hauptsächlich um Teilnehmer handeln, die eine Affinität zu Online-Gutscheinen haben. Ferner handelte es sich vermutlich um eine Selbsselektion, da die Teilnehmer selbst entscheiden konnten, an der Studie teilzunehmen. Welche Bedeutung diese einschränkenden Kriterien für die Bewertung der Ergebnisse haben, sei dem Leser überlassen. Interessant ist, dass die Pressemeldung zur Studie von etlichen Medien direkt aufgegriffen und unreflektiert weiterverarbeitet wurde. „Mich dünkt, ich hör ein ganzes Chor, Von hunderttausend Narren sprechen.“

Ich mache mir jetzt erstmal einen schönen Eiskaffee…

Zur Studie

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